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Christine und Irene Hohenbüchler: Flieg, Vogel, flieg...

Herstellungsjahr: 2014

Technik: Holz, Weidenruten

Seit dem 2. April 2019 stehen vor und hinter dem Kunstmuseum Thurgau in lockerer Formation acht Holzhütten, die als Resultat eines mehrteiligen Projekts des Künstlerduos Christine und Irene Hohenbüchler bis ca. Ende 2020 in der Kartause Ittingen haltmachen. Das Kunstwerk, eine Art Hüttendorf mit dem Titel "Flieg, Vogel, flieg…", entstand 2014 im Zusammenhang mit der von Markus Mabach kuratierten Ausstellung „B1/A40 - Die Schönheit der grossen Strasse“ für ein Feld in einem Aussenquartier von Duisburg. Die acht Objekte – halb Skulptur, halb Architektur – skizzieren im weitesten Sinne, was ein "Haus" sein kann und damit verbunden, was "Heimat" oder das "zu Hause" bedeuten könnte. Die ebenso edlen wie fragilen architektonischen Skulpturen zitieren Formen aus unterschiedlichen Lebensbereichen. Sie können als "Wanderhütten", "Pavillon" oder "Taubenhaus" bezeichnet werden, wobei solche Begriffe die Lattenkonstrukte nur unzureichend zu fassen vermögen. Die geometrischen Grundrisse einzelner Hütten verweisen vielmehr auf die über Jahrhunderte in allen Kulturen üblichen kultischen Grundlagen des Bauens, und auch der Einsatz von Flechtwerk thematisiert das Häusliche als Grundbedingung der menschlichen Gesellschaft.
Am Projekt beteiligt waren ganz unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen, etwa ein Verein von Brieftaubenzüchtern oder das junge Romatheater unter der Leitung von Nedjo Osman, wodurch dem Hüttendorf die Thematik des Reisens, des Ausfliegens und Zurückkommens eingeschrieben wurde. In den letzten zwei Jahren stand das Hüttendorf dann in der Zürcher Schule Buhnrain, wo Schülerinnen und Schüler in Zusammenarbeit mit dem Jungen Literaturlabor JULL und der Autorin Ulrike Ulrich eigene Texte zum Thema… unterwegs … zuhause …entwickelten und auf die Hütten applizierten.
Die Hütten sind also mehr als "schöne Objekte". Sie möchten zum Nachdenken über das Unterwegssein in einer Migrationsgesellschaft anregen. Im Verlauf des Aufenthalts in der Kartause Ittingen sollen die Objekte denn auch unter noch einmal verändertem Kontext Ausgangspunkt werden für eine aktuelle Konfrontation mit Themen wie Migration, Wanderschaft oder Heimat in einer rastlosen Gesellschaft.
Christine und Irene Hohenbüchler sind spätestens seit ihrer Teilnahme an der documenta 10 (1997) international bekannt für ihre meist in Kooperation mit ausgewählten gesellschaftlichen Gruppen (z. B. Strafgefangenen oder psychisch Kranken) konzipierten und oftmals temporär angelegten Kunstprojekte. Der (kommunikative) Prozess, der zur später ausgestellten Arbeit führt, ist in der Kunst der beiden Schwestern mindestens genauso wichtig wie die schliesslich aus diesem Prozess hervorgehende Präsentation.
Christine und Irene Hohenbüchler sind im Thurgau keine Unbekannten. Im Kunstmuseum Thurgau hat das Künstlerduo bereits 2003 in Zusammenarbeit mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung Kartause Ittingen das Projekt "Wilde Gärten" realisiert. Dieses Projekt ist mit einer Installation im Museum und in einer Publikation umfassend dokumentiert.

Biografie