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Peter Somm: Wenn Farben Licht werden

7. Mai 2023 – 17. September 2023

Peter Somm, Ohne Titel (Nr. 227), 1980, Acryl auf Baumwolle, 160 x 160 cm, Kunstmuseum Thurgau
Peter Somm, Ohne Titel (Nr. 723), 1997/2000, Acryl auf Baumwolle, 110 x 110 cm, Kunstmuseum Thurgau
Peter Somm, Ohne Titel (Nr.1), 1969, Acryl auf Leinwand, 80 x 80 cm, Kunstmuseum Thurgau

Mit der Ausstellung "Peter Somm – Wenn Farben Licht werden" präsentiert das Kunstmuseums Thurgau einen Überblick über das Gesamtwerk des im Februar 2023 verstorbenen Thurgauer Malers Peter Somm. Die repräsentative Werkauswahl aus mehr als 60 Schaffensjahren zeigt auf, wie der Künstler eine eigenständige Bildsprache entwickelte und diese in vielfältigen Variationen verfeinerte. Dabei erreichte er raffinierte Bildwirkungen, die das Publikum an der Verlässlichkeit der Wahrnehmung zweifeln lassen.

Peter Somm, 1940 im Thurgau geboren und aufgewachsen, studierte in Fribourg, Wien und Zürich Medizin und spezialisierte sich zum Anästhesisten. Neben seiner Arbeit als Arzt entwickelte er autodidaktisch ein umfangreiches künstlerisches Werk. Ab 1958 entstanden zuerst zumeist gegenständliche Zeichnungen. Es folgte eine intensive Auseinandersetzung mit reinen Farben und mit dem Schaffen von Paul Klee und Josef Albers, bevor er die präzise Geometrie als Ausdrucksmittel für sich entdeckte. 1969 wurde eine seiner geometrischen Konstruktionen an der Ausstellung "Konkrete und phantastische Richtungen" im Helmhaus in Zürich aufgenommen. Mit der damals ausgestellten "Rechtwinkel-Komposition" begann er sein Werkverzeichnis, womit der Übergang vom suchenden Frühwerk zum gültigen Hauptwerk markiert war.

In der Folge entwickelt Peter Somm, angeregt von den Grundprinzipien der damals aktuellen Konkreten Kunst, eine eigenständige Ausdrucksform, die ihn zu unverwechselbaren Bildfindungen führte. Mithilfe einer raffinierten Maltechnik liess er geometrische Grundformen wie die Linie, den Kreis, Kreisbögen oder Kreuze wie Lichterscheinungen auf der Bildfläche aufleuchten. Mit fein austarierten Farbabstufungen erzeugte er auf Leinwand oder Papier Licht- und Tiefenwirkungen, die immer wieder aufs Neue zu faszinieren vermögen. Die einfachen Kompositionen – etwa ein in ein Quadratformat eingeschriebener Kreis – in Verbindung mit der raffinierten malerischen Technik machen seine Werke zu einem irritierenden Wahrnehmungserlebnis, in dem die Sicherheit des Sehens immer wieder neu auf Probe gestellt wird.

Wer genau hinschaut, erkennt bald, mit welcher erstaunlichen Könnerschaft Peter Somm seine Effekte erzeugte. Mit Staffelungen von bis zu 17 fein aus dem Dunkeln ins Helle abgestuften Farbreihen brachte der Künstler nuancierte Helligkeits- und Tiefeneindrücke hervor. Sehr sorgfältig erprobte er mit Farbmustern die genaue Abstimmung der Farbreihen und berechnete millimetergenau die Breite der Farbbänder, um den von ihm gewünschten Effekt zu erreichen. Am Ende aber blieb jedes Bild ein Experiment, dessen Wirken sich erst nach der Fertigstellung zeigte.

Im Verlauf von über 60 Jahren hat Peter Somm die Ausdrucksmöglichkeiten der geometrischen Formensprache vielfach variiert und in unterschiedlichen Maltechniken umgesetzt. Vom über zwei mal zwei Meter grossen Acrylbild mit monumentalem Anspruch bis zum kaum handtellergrossen grafischen Blatt erprobte er immer wieder neue Facetten von Farb- und Helligkeitsabstufungen. Was als Experiment mit Acrylfarbe auf Leinwand begann, führte Peter Somm in späteren Jahren mit Zeichenstift oder Aquarellpinsel ins Extreme. Seine Arbeiten auf Papier bieten dem Auge keinen Halt mehr und lassen den betrachtenden Blick immer weiter schweifen.

In der Ausstellung "Peter Somm – Wenn Farben Licht werden" wird ein repräsentativer Überblick über das gesamte Schaffen des Künstlers gezeigt. Neben einer Auswahl von Bildern aus dem suchenden Frühwerk wird, ausgehend von den frühen Nummern seines Werkverzeichnisses, die gesamte Entwicklung seiner Formenwelt und die Vielfalt der gefundenen Bildlösungen ausgelegt. Die gezeigten Werke stammen alle aus einer Schenkung von Peter Somm ans Kunstmuseum Thurgau, die dem Museum 2022 übergeben wurde. Leider kann der am 11. Februar 2023 verstorbene Künstler die Eröffnung der noch mit ihm zusammen angedachten Ausstellung nicht mehr miterleben.

Hier geht es zum Pressematerial.

Biografie