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L' univers de Germaine. Muda Mathis, Sus Zwick, Hipp Mathis.

19. Mai 2019 – 8. März 2020

Germaine Winterberg, Videostill, 2017, „L' univers de Germaine“
Germaine Winterberg (mit Kopfschmuck), Maghreb, Tunesien 1974, Archiv Sigi und Germaine Winterberg, Foto: Sigi Winterberg
Germaine Winterberg, Videostill, 2017, „L' univers de Germaine“
„L' univers de Germaine“, Installationsansicht Kunsthaus Baselland, 2018, Foto: Ismael Lorenzo

Wie ein Kaleidoskop aus farbigen Geschichtssplittern und strahlenden Augenblicken – so wirkt die grosse Lebenserzählung von Germaine Winterberg in der Videoinstallation der Künstlerinnen Muda Mathis, Sus Zwick und Hipp Mathis. Der überbordende Erfahrungsschatz einer über 80-jährigen Abenteurerin eröffnet ein ganzes Universum: „L`univers de Germaine“.
1936 in Basel geboren, führte Germaine Winterberg ein Leben, welches kaum dem traditionellen Frauenbild der Nachkriegsjahre zu entsprechen vermochte. In den 1950ern und 1960ern reiste sie allein nach Südeuropa und in den Maghreb. Fasziniert von rituellen Gesängen und kunsthandwerklichen Arbeiten fand die junge Frau mit ihrer unvoreingenommenen Art schnell Kontakt zu den Menschen. Textilien, die sie von ihren Reisen in die Schweiz brachte, weckten das Interesse der Wissenschaftler am Völkerkundemuseum Basel. In deren Auftrag suchte Winterberg schliesslich auf ihren Reisen nach Afrika und Asien spezifische Stoffe und Objekte. Am Lehrerinnenseminar in Basel unterrichtete sie viele Jahre aussereuropäische Textilkunst und setzte auch als zweifache Mutter ihr selbstbestimmtes Leben fort. Gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Sigi führte sie die „Boutique Indigo“ und wurde Teil der aufkommenden Hippiebewegung, später der Technoszene. Die grossen Konstanten blieben ihre Familie und das weltweite Reisen. Eine unstillbare Neugier zieht sie bis heute immer wieder in die Ferne.
Wie ist es möglich, ein solches Leben mit seinem grossen Erfahrungsschatz festzuhalten?
Obwohl historische Reiseberichte wie jene von Annemarie Schwarzenbach eine Inspirationsquelle für das Projekt waren, überschreitet „L’univers de Germaine“ den dokumentarischen Horizont durch künstlerische Zugriffe: Die renommierten Video- und Performancekünstlerinnen Muda Mathis und Sus Zwick zeichnen ein zeitgenössisches Menschenbild, indem sie sich dieser eindrücklichen Frauengestalt modellhaft in Form von drei unterschiedlichen Herangehensweisen nähern.
Neben einer chronologisch stringenten Biografie vom Dokumentarfilmer Hipp Mathis knüpft das AutorInnenteam aus einzelnen thematischen Erzählsträngen ein vielfarbiges und facettenreiches Gesamtbild, das die Betrachtenden in eine reichhaltige mündliche Überlieferung eintauchen lässt und sie auf unzählige Reisen mitnimmt. Germaine Winterberg erzählt vor dem Hintergrund ihres ethnologischen Fundus` in über 30 Episoden kraftvoll, schonungslos und zugleich humorvoll. Dabei spricht sie so unmittelbar von der Konfrontation von Eigenem und Fremden, von Persönlichem und Gesellschaftlichen, über Sternstunden und Schattenseiten, dass alles zusammenrückt: Handwerk und Religion, Postkolonialismus und Körpergeschichten, Zufall und Schicksal. Die Videoprojektionen voller glühender Plädoyers, Lebensweisheiten und handfester Ratschläge wirken wie kleine Leuchtfeuer im Dunkel universeller Lebensfragen.
Die dritte Herangehensweise schliesslich inszeniert Germaine Winterberg als Performerin, die gemeinsam mit den Künstlerinnen in einem Kosmos aus tranceartiger Musik, Tanz und performativen Elementen voller Sinnlichkeit, aber auch Selbstironie eine Art Zeremonie entwickelt, in der Textilien als durchlässige Geflechte zur Metapher für die Stofflichkeit und Flüchtigkeit allen Seins werden.

Muda Mathis (*1959) und Sus Zwick (*1950) leben in Basel. Hipp Mathis (*1965) lebt in Zürich.

Die Biografie der lebenshungrigen Frau, die noch mit 82 Jahren Techno in der Küche tanzt, ist als Hörbuchedition in baseldeutscher Sprache erschienen und kann im Museumsshop (auch online) erworben werden.

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